Arsen und Spitzenhäubchen


Der bekan­nte The­aterkri­tiker und Buchau­tor Mor­timer Brew­ster, der in seinen Büch­ern über die Ehe lästert und in den von ihm besproch­enen The­ater­stücken alles ver­reißt, was zu roman­tisch ange­haucht daherkommt, heiratet ganz kurzentschlossen seine Jugend­liebe Elaine Harper, die Pfar­rerstochter aus der Nach­barschaft der Brew­sters in Brooklyn.

Von einer ganz unge­wohn­ten, sehr plöt­zlichen sen­ti­men­talen, roman­tis­chen Woge erfasst, möchte Mor­timer nun sofort mit seiner Frischange­trauten in die Flit­ter­wochen zu den Niagara-​Fällen abreisen, doch zuvor möchte er seinen bei­den lieben Tan­ten Abby und Martha von der Heirat in Ken­nt­nis set­zen, ebenso wie Elaine ihrem Vater, Pfar­rer Harper, davon berichten möchte.

Die bei­den älteren Damen sitzen inzwis­chen gemütlich mit Pfar­rer Harper beim Tee zusam­men. In diese Runde platzt Polizist O’Hara, der für eine Wohltätigkeitssamm­lung Spiel­sachen abholen möchte. Dabei macht er Bekan­ntschaft mit Teddy Brew­ster, Mor­timers Bruder, der deut­lich schiz­o­phren ist und glaubt, er sei Präsi­dent Theodore Roo­sevelt. Das äußert sich in über­aus grotesken, über­zo­ge­nen Hand­lun­gen und entsprechen­den ver­balen Äußerun­gen, alles in allem eine lächer­liche Mix­tur aus kindlicher Naiv­ität und befehls­ge­waltiger Autorität. Doch es wird ebenso rasch klar, dass auch die bei­den net­ten, leicht tüt­telig wirk­enden Tan­ten ein ebenso tief­gründi­ges wie auch makabres Geheim­nis hüten. Deren „Hobby“ ist es näm­lich, ein­samen, alle­in­ste­hen­den Her­ren zu einem schnellen Tod durch eine im Wein befind­liche, äußerst wirkungsvolle Gift­mis­chung zu ver­helfen – ganz im Sinne der christlichen Näch­sten­liebe natürlich!

Als Mor­timer ihnen über­raschend auf die Schliche kommt, ist das Entset­zen groß. Er bemüht sich, auf der Stelle für Teddy eine Ein­weisung in eine Irre­nanstalt zu erwirken, da die bei­den Tan­ten Ted­dys Alter Ego Präsi­dent Roo­sevelt, der den Bau des Pana­makanals – im Keller des Hauses Brew­ster — zur Chef­sache erk­lärt hat, aus­nutzen, um sich der Leichen zu entledi­gen. Deren sind es mit­tler­weile dreizehn an der Zahl!

Über all dieser Aufre­gung ver­gisst Mor­timer Elaine fast ganz, die sich fragt, was aus den ver­sproch­enen Flit­ter­wochen nun wohl wird. Während Mor­timer beim zuständi­gen Amt­srichter die Ein­weisungspa­piere für seinen Bruder abholt, ver­schafft sich der dritte Brew­ster – Bruder, Jonathan, mit­tler­weile ein gesuchter Ver­brecher, mit seinem abge­takel­ten Kom­plizen Dr. Ein­stein Zugang zum Haus und ver­setzt durch sein gruseliges Ausse­hen und seine bedrohliche Art alle dort in Angst und Schrecken.

Die Dinge im Haus Brew­ster eskalieren mehr und mehr, es kommt zu einem action­ge­lade­nen und tem­por­e­ichen Höhep­unkt in der Hand­lung, bis ganz zum Schluss eine für alle Beteiligten zufrieden­stel­lende Lösung gefun­den wird. Das bedeutet, dass der mon­sterähn­liche, böse Jonathan Brew­ster seiner gerechten Strafe zuge­führt wird, die Tan­ten ihren Nef­fen Teddy in die Anstalt „See­len­frieden“ begleiten und Mor­timer, der sich gar nicht als echter Brew­ster her­ausstellt und somit die Gene des Wahnsinns nicht in sich trägt, endlich mit Elaine los­fahren kann.

Das Stück lebt vom schwarzen Humor, vom großar­ti­gen Wortwitz und von der markan­ten Sit­u­a­tion­skomik, die von pointierten Fein­heiten bis hin zum groben Slap­stick geht.


zurück